Reaktorblocks Spielenotizen zu Assassin’s Creed Unity: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Wenn man eine Review zu Assassin’s Creed Unity im Netz liest, wird einem schlecht: Bugs bis zu Unspielbarkeit. Und Microtransactions, die das Spiel zerlöchern wie einen Schweizerkäse. Es wäre zu schön gewesen, trotz des ganzen Anti-Hypes ein feines, neues Assassin’s Creed zu bekommen und wieder einmal zu sehen, dass die vorherrschende Meinung in Netz nichts weiter ist, als der Gifthauch der Missgunst. War aber leider nicht so. Das Spiel ist in der Tat eine Enttäuschung. Und wir meinen nicht die Technik-Probleme. Aber lesen Sie selbst…

Auf der vergeblichen Suche nach der Technik-Katastrope.

Gekauft haben wir unsere PS4 Version von Assassin’s Creed: Unity direkt am Release-Tag, weil wir nun mal kreuzbrave Ubisoft-Fanboys sind. Technikprobleme… hatten wir keine. Hin und wieder latscht mal ein Passant in den wunderbar belebten Strassen von Paris auf die Spitze einer Laterne. Mit hin und wieder meinen wir: Zweimal in 20 Stunden Spielzeit. Ein paar Glitches mit Waffen, Wänden und Kleidungen haben wir auch bemerkt. Aber wahrscheinlich nur, weil wir drauf geachtet haben. Ansonsten lief unser Spiel problemfrei. Es kann sein, dass ACU irgendwann bei opulenten Hinrichtungs-Szenen mit Hunderten von lebhaften NPC-Zuschauern unter die heilige 30er FPS-Marke rutschte. Ist uns aber nicht aufgefallen. Auf der PS4 läuft Assassin’s Creed Unity unserer Erfahrung nach gut.

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Genau, das Spiel sieht phantastisch aus. Leider ist eine schicke Grafik nicht alles…

Wenn die Grafik stimmt, dann ist mit Assassin’s Creed Unity doch alles in Ordnung! Oder?

Leider jein. Die Grafik ist wirklich so cool wie auf den Screenshots. Die gotischen Kathedralen und klassizistischen Bauten von Paris sind der schönste Spielplatz, den ein Assassin’s Creed Spiel bisher zu bieten hatte. Aber trotz der gelungenen Verbesserungen beim Klettern, trotz des angeschärften Kampfsystems, trotz der endgeilen Menschenmasssen, die eine brodelnde Stimmung entfalten, bleibt das Spiel weit hinter unseren Erwartungen zurück. Fangen wir also an zu nörgeln:

  1. Zwanghafter Open-World-Scheiß! Wenn man zum ersten Mal die Karte des virtuellen Paris aufruft, fühlt man sich erschlagen. Die Stadt ist vor lauter Truhen, Synchro-Punkten, Sammel-Items und ähnlichem Killefitz gar nicht zu sehen. Erst wenn man den Button findet, mit dem man den ganzen Mist ausblenden kann und sich nur die Missionen anzeigen lässt, wird die dreh- und zoombare Stadtkarte benutzbar. Dann bleiben immer noch jede Menge verschiedene Nicht-Sammel-Aufgaben über. Es drängt sich der Eindruck auf, dass das riesige Paris ganz, ganz dringend mit ganz, ganz vielen Icons gefüllt werden musste, damit man auch wirklich Open World auf die Packung schreiben konnte. Also wurden völlig Sinn-freie Sammel-Items verteilt. Eng mit diesem Problem verbunden sind die dämlichen Sammel-Kisten, die man nur aufbekommt, wenn man die Companion App spielt oder sich bei der Assassin’s Creed Serien Website (Initiates) registriert. Irgendein vollgekokstes Marketing-Genie hatte da wohl die Idee, ein systemübergreifendes Super-Spiel-Erlebnis aufzubauen… und vielleicht noch die Adresslisten für den Assassin’s Creed Newsletter aufzublasen… und die Installations-Zahlen für die App hochzuschrauben, damit man wochenlang an der Spitze der App-Charts thront… und noch ein paar Euros über die kostenpflichtige Premium-Version der App abzustauben. Herausgekommen ist ein ruiniertes Open World-System, das einem Neugier und Ehrgeiz am Entdecken gründlich versalzt. Bei Black Flag hatte das alles noch grandios funktioniert. Das aufwendige virtuelle Paris von Unity hätte besseres verdient. Wohlgemerkt besseres. Nicht einfach nur mehr. Verdammt schade.
  2. Verplanter Multiplayer-Modus! Es ist  eine alte Assassin’s Creed Tradition: Der Multiplayer Teil muss vollkommen zweckfrei sein. Gratz, Ubisoft, Ihr habt es auch diesmal hinbekommen. Das alberne Ringelpietz-PvP wurde diesmal zugunsten von kooperativen Missionen über Bord geworfen. Dabei rushen 2 – 4 Spieler ohne jegliche Kommunikation und Koordination durch die Missionen, um sich die eklig gut versteckten Skill-Punkte zu abzugreifen, die man benötig, um seinen eigenen Assassinen auszumaxen. Hier hatten wir viel mehr erwartet, nachdem Ubisoft so massiv die Werbetrommel gerührt hatte.
  3. Das alles hätte man noch gut ertragen können. Nun aber kommt der Todesstoß: Die Story ist Scheiße. Und das ist ein Punkt über den bisher noch viel zu wenig gesagt und gebloggt wurde, also tun wir das jetzt. ACHTUNG, AB HIER LEICHTE SPOILER GEFAHR… Der Held Arno ist ein schicker Posterboy, der (wie immer) eine tragische Vergangenheit mit sich herum schleppt. Früh getötete Eltern, au weia. Aber nun kommen die großen Verwicklungen: Arnos Ziehvater ist ein friedliebender Templer. Und natürlich hat der eine heiße Templer-Tochter, in die sich der Held fürchterlich verknallt. Und natürlich wird auch der brave Templer-Daddy viel zu früh ermeuchelt. Schwupps, schon haben wir alle Zutaten für eine Klischee-Rache-Story auf dem Tisch. Leider entwickelt sich daraus kein dunkler Feldzug vor dem blutigen Hintergrund der Revolution, sondern eine langweilige, lineare Liste, auf der wir Gegner für Gegner aufsuchen und dann ausknipsen. Kill Bill auf doof und französisch, sozusagen. Wir hasten von Fiesling zu Fiesling und treffen dabei auf Akteure der französischen Revolution, die natürlich alle irgendwie mit den Assassinen oder Templern in Verbindung stehen. Um das gut zu finden, muss man entweder ein großer Historien-Freak mit dem Schwerpunkt neuzeitliches Frankreich sein – oder ein beinharter Assassin’s Creed Fanboy. Die Romanze mit der heißen Templer Tochter verkommt zu einer 100% vorhersehbaren, Disney-esquen Schmonzette ohne Ecken und Kanten.Was für ein Bullshit. Selbst die reichlich verworrene Geschichte über den Aufstieg und Fall der Piraten Community um den Black Flag-Helden Edward Kenway war interessanter. Letzer Sargnagel: Auf die kauzige Meta-Geschichte, die in Assassin’s Creed Spielen traditionell parallel zur Hauptstory in der Neuzeit abläuft, wurde fast ganz verzichtet. Ein paar kurze Video- und Sound-Schnipsel müssen reichen. Wer neue Details zur mystischen Vorläufer Zivilisation, zu neuen Eden-Artefakten oder den in Blag Flag eingeführten ‚Sages‘ erwartet, wird von Unity bitter enttäuscht. Was für ein Jammer.

Ist Assassin’s Creed Unity also totaler Kernschrott?

Naja, so schlimm ist es nun auch wieder nicht. Trotz all der Probleme hatten wir immer wieder Spaß mit dem Spiel und können es deshalb auch nicht vollkommen verdammen. Die Lichtblicke sind den cool designten Single-Player Missionen geschuldet. Zusammen mit dem ordentlichen Gameplay (Schleichen, Klettern, Kampf) entwickeln sich immer wieder interessante Aufgaben, Rätsel und Probleme: Wie erreiche ich schnellstmöglich mein Ziel, wie bleibe ich unbemerkt, welches ist die beste Waffe für den jeweiligen Auftrag? Die Missionen werden zum Ende der Story hin recht komplex und erfordern ein hohes Mass an Planung und Vorsicht. Damit hebt sich das Spiel angenehm von seinen simplen Button-Mashing-Vorgängern ab. Hinzu kommen einige interessante Neben-Missionen, wie etwa kriminalistische Rätsel oder mystische Suchspiele. Wenn man diese Aufgaben in die lahme Hauptstory eingebaut und sich ein bisschen mehr Mühe mit den langweiligen Protagonisten gegeben hätte, wäre im Handumdrehen ein klasse Spiel herausgekommen. Hat man aber nicht.

Assassin’s Creed Unity: Wer soll das spielen?

Konsolen-Besitzer (XBOX One, PS4) dürfen zugreifen, wenn sie eine echte Grafik-Demo für ihre Next-Gen Konsole brauchen. Mami und Papi wird die Kinnlade vor Staunen runter klappen. Und sie werden endlich verstehen, warum das Weihnachtsgeschenk für den Sohnemann so teuer war. Echte Assassin’s Creed Fans haben das Spiel sowieso schon gekauft. Wer Zweifel hegt, wartet ganz einfach, bis ACU im Preis gesunken ist.

Und wer lässt besser die Finger davon?

Selbst die ansonsten so wohlwollenden planaren Exploratoren (die eigentlich an jedem noch so obskuren Spiel etwas nettes finden) können für Assassin’s Creed Unity keine Kaufempfehlung geben. Um die PC-Version sollte man so oder so einen großen Bogen machen. Open World-Fans, die wegen Black Flag in die Serie eingestiegen sind, lassen Unity besser aus und warten auf den nächsten Teil, ‚Assassin’s Creed: Victory‘. In dem wird dann hoffentlich das feine Gameplay mit einer sinnvollen Story kombiniert. Und die Scheiß-Kisten verschwinden bitte komplett.

 

 

Ein Kommentar

  1. Pingback: Sorry für die Sendepause. Wir hatten zu tun ;-)Die Gesellschaft der planaren Exploratoren

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