Reaktorblocks Spielenotizen zu Wildstar: Das perfekte MMO. Mehr aber auch nicht.

Wildstar. 9 Jahre Entwicklungszeit. Jetzt ist es endlich auf dem Markt. Die Meinungen der lieben Mitblogger, Spielejournalisten und Podcaster gehen weit auseinander. Die einen halten es für das letzte große Abo-MMO, die anderen verfluchen es als debilen WOW-Clone. Liegt die Wahrheit mal wieder in der Mitte? Eines aber ist sicher: Wildstar bietet eine ziemlich ungewöhnliche Spielwelt. Grund genug für die planaren Exploratoren, sich das Spiel eingehend anzusehen.


Wildstar: Brutal lustig. Brutal knuddlig.

Was Sie vielleicht schon gehört haben, ist das Wildstar praktisch keine Story präsentiert. Die Tatsache, dass das Spiel den erzählerischen Aspekt weitestgehend ausklammert, hat uns vor dem Start durchaus Sorgen bereitet… aber inzwischen haben wir uns wieder abgeregt. Wildstar nimmt seine brachial alberne Space-Cowboy-Firefly-Spielwelt nämlich ziemlich ernst. Texte zu Hintergrund und Handlung gibt es an jeder Ecke, aber man muss stehen bleiben, um sie zu lesen. Was vielleicht fehlt, ist ein Feature, wie die Dungeon Master Voice aus DDO, die Stories auch in Instanzen rüber bringt. Oder eine Audio-Bibliothek, in der man sich sämtliche Wildstar-Hintergrund-Texte gemütlich vorlesen lassen könnte. Aber schön, man kann nicht alles haben…

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Aus der Sicht der planaren Exploratoren ist die Wildstar Grafik und die Wildstar Spielwelt über jeden Zweifel erhaben. Kunst ist das sicher nicht. Aber absolut herrlicher Kitsch.

Auf eine ganz besonders positive Überraschung dürfen sich die deutschen Spieler freuen:  Die Übersetzung und Vertonung von Wildstar ist nämlich rundheraus gelungen und genau so witzig und stimmig wie das englische Original. Selbst die planaren Exploratoren, die notorische Übersetzungs-Nörgler sind, haben dieses Spiel geschlossen auf Deutsch gespielt.

Die Wildstar Features: Komplett wie ein Schweizer Armee-Taschenmesser.

Was uns letztendlich über die dünne Story-Präsentation hinweg getröstet hat, ist der enorme Umfang und die Perfektion des Spieles. Man merkt, das Carbine nicht bereit war, Content-Kompromisse für einen bestimmten Launch-Termin einzugehen. Wir haben noch nie ein MMO gesehen, das zu seinem Start so voll gepackt mit Features war. Kleingruppen-Abenteuer, Raids, PvP, Boss-Kämpfe, ein perfektes Auktionshaus plus Handelswarenbörse, Housing, eine frei programmierbare Benutzer-Oberfläche etc, etc, etc. Wildstar hat alles, alles, alles, was man von einem MMO erwartet. Und noch ein bisschen mehr.

Die Wildstar Quests: Besser als ihr Ruf. Viel besser.

Noch so ein Vorurteil, das durch die Bloggosphäre geistert: Die Wildstar Questen sind (langweiliger) Einheitsbrei. Hier ein paar Monster töten, da ein paar Items einsammeln, fertig.

Falscher kann man nicht liegen. Das Spiel bietet eine Vielzahl verschiedener Aufgaben und nutzt dabei vor allem die Action-Steuerung, um immer wieder für Abwechslung zu sorgen. Wir geben hier mal ein paar Beispiele, für Aufgaben der ungewöhnlichen Art:

  1. In einer Zone mit reduzierter Schwerkraft, müssen schwebende Kristalle eingesammelt werden.
  2. Der Charakter verwandelt sich in eine Riesenspinne und muss zerbrechliche Spinnen-Eier durch eine Arachniden-Kolonie schleppen. Ohne sie zu zerschlagen.
  3. Bei einer Artillerieübung dient man als Ziel und muss – so lange wie möglich – den einschlagenden Geschossen ausweichen.
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Absolute Höhepunkte sind die (leider ziemlich seltenen) Schiffsjungen-Missionen (Deckhand Missions). Hier durchsuchen wir mit der Helmlampe ein finsteres Wrack. Klar, Dead Space ist das nicht. Aber trotzdem cool…

Und selbst die Standardquesten sind extrem flexibel designt. Das Spiel bietet bei der Erfüllung immer wieder verschiedene Möglichkeiten an: Möchten Sie sich lieber mit einem gefährlichen Elite-Monster anlegen, um die Queste mit einem Schlag zu erfüllen? Oder grinden Sie sich auf Nummer sicher durch die schwächeren Gefolgsleute hindurch, bis Sie genug Erfüllungspunkte erreicht haben? Immer wieder werden während des Questens zeitkritische Herausforderungen ausgelöst, die man entweder ignorieren, nebenbei erledigen oder aber mit Bravour meistern kann, um dadurch eine Portion Extra-Loot abzugreifen. Es herrscht ständiger Entscheidungsdruck: Quest erledigen oder liegen lassen? Und wenn ja, wie viel Mühe sollte man rein stecken? Das ganze wird nur möglich, weil Wildstar einen absoluten Inhalte-Overkill anbietet. Es gibt schlichtweg kein Spiel, das zum Start eine vergleichbare Menge von Content an Bord hatte. Punkt.

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Housing. Verwirklichen Sie sich als Innenarchitekt, laden Sie Ihre Gildies zu einer Party ein oder nutzen Sie einfach nur die Gärten zum Crafting-Material farmen!

Ehrlich gesagt, können die planaren Exploratoren nicht ganz verstehen, wie die Wildstar Quests zu ihrem schlechten Ruf gekommen sind. Vielleicht liegt es an den überfrachteten Startzonen. Oder vielleicht vermissen die Spieler eben doch die inszenierten Stories von SWTOR oder The Secret World. Was natürlich die Frage aufwirft, warum sich dann grade diese Spiele nicht wirklich am Markt durchsetzen konnten. Egal, Schwamm drüber. Wildstar braucht sich für nichts zu schämen.

Also ist Wildstar ein Hit, oder nicht?

Ok, als MMO ist Wildstar ein Hammer. In gewisser Weise könnte man das Spiel als den Endpunkt der MMO-Evolution bezeichnen. Wildstar hat so ziemlich jedes Feature an Bord, das Spieler in den letzten 9 Jahren ins Herz geschlossen haben: Action-Gameplay, moderne und flexible Questen, PvP, Dungeon & Instanzen für verschiedenste Gruppengrößen und einen Überfluss an Inhalten. Auf der anderen Seite wurde alles, was bei den Fans nicht so recht ankam, ignoriert: vertonte Dialoge und großangelegte Stories fehlen ebenso wie Casual-Krams für Gelegenheits-Spieler. Diese Erfolgs-Formel funktioniert so lange, wie man den MMO-Markt nicht verlässt. Vergleicht man Wildstar aber mit modernen Singleplayer-Spielen wie Assassin’s Creed, Watch Dogs, GTA, Witcher oder Skyrim, vergeht der Glanz schnell. Gameplay, Grafik, Immersion hinken weit hinter dem Einzelspiel-Erlebnis hinterher. Und so fällt es den Exploratoren diesmal auch besonders leicht, eine Empfehlung auszusprechen…

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Wildstar ist immer für eine skurrile Überraschung gut. Hier gelang es uns, eine Alien-Larve, die wir in einer einsamen Ecke eines Dungeons gefunden hatten, mit einem Liebeszauber zu belegen…

Wer soll das spielen?

Ganz simple: wenn Sie MMOs mögen, sollten Sie es ausprobieren. Wenn Sie sich die Abo-Gebühren leisten können. Oder Sie warten, bis Wildstar free to play wird. Wir haben aber das unbestimmte Gefühl, dass dieser Zeitpunkt noch ein gutes Stück in der Zukunft liegt.

Wer lässt besser die Finger davon?

Wenn Sie MMOs bisher nichts abgewinnen konnten, dann wird Sie auch Wildstar nicht mitreißen. Und erwarten Sie nicht an die Hand genommen zu werden. Wildstar hat einfach viel zu viele Features. Wenn man die alle in Tutorials erklären würde, wären die Spieler alt und grau, bevor sie im Endgame angekommen wären. Wenn Sie einfach nur mal hin und wieder in eine fremde Welt abtauchen wollen, spielen Sie lieber ein Single Player Spiel. Oder lesen Sie mal wieder ein gutes Buch.*


5,00 von 5 Punkten, basierend auf 1 abgegebenen Stimmen.
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Ein Kommentar

  1. Pingback: Sorry für die Sendepause. Wir hatten zu tun ;-)Die Gesellschaft der planaren Exploratoren

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