Reaktorblocks Spielenotizen zu Titanfall: Äh… ist das alles ?

Titanfall. Wirklich, wir meinen es ernst. Eigentlich machen die Exploratoren traditionsmässig um Multiplayer Shooter einen Bogen. Unser Interesse liegt in der Erforschung virtueller Welten. In Spielen wie Call of Duty oder Battlefiel ist das Einzige, was man erforschen kann, die Variationen der eigenen Todesarten. Zerschossen, zerfetzt, abgemessert. Titanfall erweitert nun die Möglichkeiten des Ablebens um Zerquetschung durch einen Battlemech-Fuß. Das klingt interessant genug für die Exploratoren, die als echte Nerds natürlich ein Herz für Riesenroboter haben. Und außerdem: einen echten Shooter, muss man im Leben ja gespielt haben. Warum also nicht mal die wirklich knallharte Variante wählen? Kleine Karten, wenig Spieler, nur die Reflexe zählen. Titanfall. Wir meinen es Ernst.


Die Titanfall Kritik: Ist dieses Spiel wirklich so gut, wie der Hype es suggeriert ?

Titanfall ist im Augenblick die große Hoffnung aller XBOX Fans. Das Spiel ist exklusiv auf den Microsoft-Plattformen XBOX und Windows erhältlich und wird mit einem immensen Lärm in den Markt geprügelt. Die Erwartungen sind hoch, die Kritiken sind gut… was wir nur bedingt nachvollziehen können. Insbesondere wenn man noch nie einen Multiplayer-Shooter von innen gesehen hat, erscheint einem das Spiel hässlich wie eine gerupfte Ente. Dass Trümmerfelder die logische Landschaft für militärische Schlachtfelder sind, lassen wir nicht gelten. Spiele wie Fallout zeigen, wie man eine apokalyptische Welt trotz Trümmern optisch interessant gestalten kann. Wir sind der Meinung: die strunzlangweilige Grafik hat nichts mit dem Bestreben nach Optimierung, sondern viel eher was mit Einfallslosigkeit zu tun.

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Schau mir in die Augen, Kleiner. Zwischendurch gibt es in Titanfall durchaus nette Momente. Wie zum Beispiel hier, als uns ein feindlicher Titan direkt im Cockpit anglotzt. Das ändert natürlich nix an der ansonsten gänzlich uninspirierten Grafik.

Aber ok, da man die meiste Zeit sowieso mit einem Affenzahn über die Karte jagt, ist opulente Optik ja angeblich überflüssig. Womit wir beim zweiten Punkt wären, der uns nervt: das laut bejubelte Free-Running-System, mit seinen Wall-Jumps und Akrobatik-Einlagen. In 20 Stunden Titanfall haben wir noch keinen einzigen Spieler beobachtet, der an Wänden lang läuft. Natürlich wird gesprintet, gestraft und natürlich wird gesprungen. Aber alles schön horizontal. Für mehr ist nämlich in der Hektik keine Zeit. Der spielerische Nutzen des Wallrunnings in Titanfall geht gegen Null. Die Entwicklungszeit für dieses Gekasper hätte man in ein paar vernünftige Texturen stecken können. Oder noch viel wichtiger: in eine Kampagne, die diesen Namen  auch verdient. Denn was Respawn Entertainment hier abgeliefert hat, grenzt an Frechheit. Ein paar Audio-Scripte, die auf den generischen Multiplayer-Karten ablaufen und eine Handvoll schlechter Animations-Sequenzen. Nicht ganz so katastrophal, aber immer noch reichlich dünn: das Level-System. Es werden ein paar Waffen frei geschaltet, fertig. Die 50 Stufen hatten die ersten Spieler bereits 8 Stunden nach dem offiziellen Release des Spieles abgearbeitet. Was dann kommt, ist gähnende Leere: der Spieler wird wieder an den Anfang zurück gesetzt, verliert alle frei gespielten Waffen und bekommt zum Trost eine hässliche Plakette vor den Name geklebt. Wir fragen uns, wie Titanfall mit solchen Inhalten die haushohen Wertungen einfahren konnte, die das Spiel in den Magazinen abgestaubt hat. Selbst beinharte Shooter-Freaks, die kein Interesse an einer Kampagne haben und die mit dem exotischen Hüpf-System ihren Spaß haben können, werden Ranglisten, Ligen und Clan-Features vermissen. Titanfall ist schlichtweg unfertig. Wäre es ein stinknormales Spiel und käme nicht aus den gesalbten Händen von Ballergott Vince Zampella, hätten die Wertungen mit Sicherheit anders ausgesehen. Metacritic 87% ? ? ? Den Exploratoren vergeht das Lachen. Wirklich, wir meinen es ernst.

Was wird bleiben, wenn sich der Staub der Marketing-Schlacht gelegt hat? Wir meinen: Ein halbwegs innovativer Shooter. Es gibt trotz unserer eher finsteren Titanfall Kritik ein paar Punkte, die für das Spiel sprechen. Die KI-gesteuerten Bodentruppen machen einen vernünftigen Eindruck, lassen den Gamer tief ins Kampfgeschehen eintauchen und sind sinnvoll in die Spiel-Modi integriert. ‚Materialschlacht‘ (englisch ‚Attrition‚) ist zum Beispiel weit mehr als ein normales Death-Match, weil die gezielte, effektive Jagd auf KI-Soldaten in diesem Spiel tatsächlich den entscheidenden Vorteil bringen kann. Die Steuerung der Titanen ist ebenfalls wirklich cool, was insbesondere in den ‚Last Titan Standing‘-Matches toll rüber kommt. Auch ok: Das System der Burn-Cards, das immer wieder Abwechslung ins Spiel bringt.

TitanFall-waffen-frei-schalten

Während des Spiels schaltet man nach und nach immer mehr Waffen frei. Toll für Masochisten: beim Erreichen des Max-Levels muss man sie wieder abgeben.

Wer soll das spielen? Lohnt sich Titanfall für Gamer, die noch nie Call of Duty oder Battlefield gespielt haben?

Nicht wirklich. Titanfall ist ein Ballerspiel und nicht mehr. Der Focus liegt auf den kurzen, schnellen Schlachten. Es gibt nix zu erkunden, nix zu sammeln und nur wenig zu optimieren. Übersättigte Shooter-Spieler, die die Schnauze voll vom X-ten CoD und BF-Aufguss haben, dürfen zugreifen. Jedenfalls, wenn sie resistent gegen langweilige Texturen, zu große Köpfe in den Animations-Sequenzen und unnatürliche Laufbewegungen sind. Alle anderen warten besser auf The Division oder Destiny.  Oder checken mal Planetside 2 aus. Wir meinen es Ernst.


2 Kommentare

  1. Welche Kampagne? Ich habe nichts gefunden, was diesen Namen verdient hätte!
    Das Wall-running konnte ich bisher taktisch nicht nutzen, aber das liegt vermutlich eher an mir. Es ist aber nett, um abgelegene Positionen zu erreichen (Campingplatz ;-) )
    Ich kann die (übertrieben) hohen Wertungen auch nicht nachvollziehen. Das nennt man dann „gutes“ Marketing?

  2. Die Meinungen innerhalb der Exploratoren über das Spiel gehen übrigens auseinander. Nolan, unser Chef-Taktiker, nutzt zum Beispiel das Wallrunning intensiv und erfolgreich (sagt er). Wie steht Ihr zu unserer Titanfall Kritik? Was sagt Ihr zu der Kampagne? Und wie steht Ihr zum Level-System? Eure Erfahrungen würden uns interessieren…

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