Ein paar Eindrücke aus der Wildstar Beta

Wildstar, das neue MMO von NCSOFT/Carbine Studios steht kurz vor dem Release. Anfang Juli erscheint das Spiel offiziell*, aber Vorbesteller dürfen natürlich schon an den Wochenenden das Spiel testen. Genau das haben die planaren Exploratoren gemacht! Hier lesen Sie unsere ersten Eindrücke zu Grafik, Charakteren, Gameplay und dem neuen Pfad-System direkt aus der Wildstar Beta.


Die Wildstar Klassen.

Das Spiel hält sich beim Charakter-Design grafisch eng an die WOW Erfolgsformel: Knuddelige Viecher, schicke Frisuren, gaaanz große Kulleraugen. Wenn man genau hinsieht, merkt man aber schnell, dass die Grafik eine ganze Menge Details an den Charakteren bietet. Haare sind feiner definiert und die gesamten Chars wirken runder und filigraner durch mehr Polygone und mehr Texturen als im Blizzard-Klassiker. Auch bei den Klassen wagt Wildstar keine Experimente. Trotz des Sience Fiction-Settings erkennt man sofort woher der Wind weht: der Esper ist der Magier, der Sanitäter der Heiler und der Techpionier ist natürlich die Pet-Klasse. Diese Analogien setzen sich konsequent durch das gesamte Wildstar Klassen System fort. Und natürlich ist alles an der Dreifaltigkeit des MMO-Gamesplays ausgerichtet: Tank, Schaden, Heilung. Aber schön, das wussten wir vorher, also wollen wir nicht nörgeln. Wenn man Wildstar kauft, will man ein MMO – und genau das bekommt man auch.

Die Wildstar Rassen.

Auch hier wird nicht wirklich Neuland betreten. Alle spielbaren Rassen wirken wie Sience Fiction Variationen der aus hunderte Spielen bekannten Fantasy-Rassen. Am besten haben uns auf der Dominion Seite noch die Mechari gefallen, während wir bei den Verbannten (Exiles) wohl einen Mordesh spielen werden. Was uns mehr nervt als die langweiligen Auswahlmöglichkeiten bei den Völkern ist, dass man (mal wieder) nur Model-Typen spielen darf. Dicke, dürre oder gar schiefe  Chars sind nicht erlaubt. Alles bleibt schön bei den üblichen Klischees. Und klar, alle weibliche Chars haben eine Wespentaille und ordentlich Oberweite. Bei SWTOR ging mehr. Schade, Wildstar.

wildstar-charaktere-body-type-sexistisch

Dick ist unerwünscht, mehr Körpermasse ist nicht erlaubt, basta. Eigentlich scheren sich die Exploratoren um Political Correctness in Spielen einen Dreck. Aber diese Frage sei uns mal erlaubt: Warum darf man im Wildstar Charakter Builder nur Models bauen?

Die Wildstar Pfade.

Achtung, hier kommen die Neuerungen, bitte nicht erschrecken. Neben Rasse und Klasse darf/muss man bei Wildstar noch einen Pfad wählen, der im Verlauf des Spieles bestimmt, welche zusätzlichen Missionen später zur Verfügung stehen. So soll die Spielerfahrung an den Geschmack des Spielers angepasst werden. Zur Auswahl stehen: Wissenschaftler (Story erkunden & Lore sammeln), Kundschafter (Spielwelt erkunden), Siedler (Crafting und Buffen) und Soldat (drauf hauen). Die Pfade entsprechen also den vier gängigen MMO-Spieler-Archetypen. Jedenfalls so, wie Carbine Studios sie sich vorstellt. In unseren ersten Beta-Sessions haben wir den Soldaten-, den Siedler- und den Wissenschaftler-Pfad ausprobiert. Große Wunder des Game-Design sollte man nicht erwarten. Der Soldaten-Pfad ist erwartungsgemäß primitiv: kleinen Kampfzonen werden gegen Gegner-Wellen verteidigt. Das Einsammeln der gut versteckten Lore-Schnipsel auf dem Wissenschaftler-Pfad erinnerte hingegen frappierend an Wimmelbild-Spiele. Leider wurde hier die Chance verpasst, die Hintergrundgeschichte durch Sound-Files, Bilder oder Animationen aufzupeppen. So bleibt einem als Belohnung für zehn Minuten Fummel-Suche nur ein kleingeschriebener Text. Man muss schon ein sehr großer Wildstar-Lore-Fan sein, um so etwas spannend zu finden. Insbesondere im späteren Verlauf des Spieles, wenn alle Fundstellen in der Spielerschaft hinlänglich bekannt sein dürften, wird diese Aufgabe zum absolut tristen Punkte-abklicken verkommen. Interessanter scheint uns der Siedler-Pfad zu sein. Der Nutzen der gebauten Buff-Stationen, an denen sich jeder vorbei kommende Spieler bedienen kann, liegt auf der Hand. Letztendlich kann man nur durch längerfristiges Spielen ein gerechtes Urteil über die Pfade fällen. Vielleicht fügen sich diese Features ja recht elegant ins Gruppenspiel ein. Zumindest der Siedler-Pfad lässt das erahnen.

Herz und Seele eines MMOs: Design, Story & Gameplay.

Wildstar ist, wie gesagt, knallbunt und bietet eine ordentliche Portion Brachial-Humor. Das passt ganz gut zusammen und ist durchaus ein Novum auf dem MMO-Markt. Die Story um den Wettlauf zwischen Dominion und Exile (die Verbannten) um die Vorherrschaft auf dem uralten Planeten Nexus wird zügig voran getrieben und hat uns bereits nach wenigen Stunden Spielzeit in den Bann gezogen.

Die Wildstar Story nimmt einen mit...

Locations, Charaktere, Ausrüstung und Effekte passen alle hervorragend zusammen und sorgen dafür, dass man schnell in die Spielwelt eintaucht. Auch schon während der Wildstar Beta.

Was uns besonders gefallen hat: Das gesamte Gameplay ist exakt. Effekte und Angriffe wirken schnell und nachvollziehbar, die Steuerung macht einen sehr sauberen Eindruck. Die Bewegung der Figur und der Kamera in der Welt ist optimal. Man behält immer den Überblick. Dazu trägt auch das System der ‚telegraphierten‘ Kämpfe bei, bei denen die Wirkung jeder Aktion als Feld-Grafik auf dem Boden angezeigt wird. Man kennt das aus modernen MMOs wie Guildwars 2 oder The Secret World. Der Nachteil dieses Systems ist natürlich, dass man während der Gefechte vor allem auf die Boden-Symbole starrt und sich weniger mit dem Gegner beschäftigt. Wer sich daran stört, kann die Symbole jederzeit ausschalten. Insgesamt ist der telegraphierte Kampf weniger direkt als intensives Shooter-Gameplay, wie man es zum Beispiel bei Defiance oder Borderlands findet. Dem Tabulator-Ziel- und Auto-Attack-Kampf von WOW ist es auf jeden Fall meilenweit überlegen.

Das wichtigste in einem MMO ist für die Exploratoren das Zusammenspiel aus Statistik, Items und Charakter-Building. In diesem Bereich sieht Wildstar, soweit wir es gespielt haben, gut und komplex aus und distanziert sich damit deutlich von dem extrem vereinfachten Charakter-System, das inzwischen den Kern von World of Warcraft bildet. Viele Skills, viele Spezialisierungen, detallierte Stats. So wollen wir unsere MMOs. Eine Gameplay-Schwäche hat dieses ansonsten sehr runde Spiel nun aber doch noch… das Interface ist leider ein ziemliches Chaos. Und damit meinen wir nicht die Statusmeldungen und Fenster, die sich nicht richtig schließen und den Bildschirm zumüllen. Das dürften kleinere Bugs sein, die gegen Ende der Beta sicher verschwinden werden. Die Masse von Texten, die zeitgleich (und teilweise übereinander) auf dem Bildschirm aufpoppt, ist schlichtweg zu viel. Da gibt es NPC-Sprechblasen, Quest-Texte, den Missions-Tracker, natürlich den Chat und noch viel, viel mehr Buchstabensalat. Wir sind gespannt, ob es Carbine Studios noch schafft, hier Ordnung rein zu bringen.

das wildstar interface: zu viel text, zu viele fenster

Niemand hat etwas gegen textlastige RPGs. Aber das hier ist zu viel. Viel zu viel. Hoffentlich wird vor dem Launch das Wildstar Interface noch mal ordentlich verschlankt.

Und das Wildstar PvP?

Haben wir uns während der Wildstar Beta nur kurz angesehen. Auf den ersten Blick wirken die sehr effektlastigen Gefechte etwas unübersichtlich. Das Gefühl hatten wir aber bisher bei jedem Neueinstieg in ein PvP-System. Sobald wir das Wildstar PvP genauer erforscht haben, werden wir dazu einen detaillierten Bericht verfassen.

coole wildstar questen mit humor

Das Zusammenspiel von Grafik, Humor und coolen Questen macht den Reiz von Wildstar aus. Hier eskortieren wir eine Gruppe Gemüse (Spargel?) in ein sicheres Quartier. Herrlicher Schwachsinn ! ! !

*werbliche & kommerzielle Links sind mit einem Stern gekennzeichnet.

2 Kommentare

  1. Hallo Herr Arik,

    erstmal vielen Dank für das Lob :-). Viele Exploratoren Artikel wären ohne Deine Hilfe beim Mitspielen nicht möglich gewesen (z.B. unsere SWTOR und Neverwinter Tipps). Was die ’nicht immer ganz so tollen‘ Spiele angeht… da sind wir natürlich neugierig und würden uns gerne in die Diskussion stürzen :-). Mit anderen Worten: wenn ich Mist schreibe, wäre es toll, wenn Du das hier so kommentieren könntest :-))).

    Zu Wildstar wäre noch anzumerken: jetzt nach einem weiteren Wochenende bin ich auf Stufe 12 angekommen und muss feststellen, dass das Spiel dichter und vor allem anspruchsvoller wird. Bin in keinem MMO so oft gestorben wie in Wildstar. Und das finde ich (ganz persönlich) ziemlich cool.

    Das Spiel macht mir im Augenblick einen Mordsspass. Leider wird das seltsame Pseudo-Abo-Modell viele Spieler von Wildstar ablenken. Immerhin muss man für den ersten Spielmonat noch keine Kredikarte zücken. Ich konnte jedenfalls ohne Billing-Daten in die Beta, nachdem ich das Spiel bei Amazon gekauft hatte.

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