Platz 6 der virtuellen Welten: Das Dune Universum.

Hier kommt endlich die Fortsetzung der Hitliste der besten Kunstwelten aus Film, Fernsehen, Comic, Spiel und Roman. Auf Platz 6 haben die planaren Exploratoren einen Klassiker der phantastischen Literatur gewählt: den Roman Dune (deutsch ‚Der Wüstenplanet‘) von Frank Herbert. Wir waren uns (fast) einig: Dune MUSS in unsere Bestenliste! Aber ganz ohne Kritik kommt auch Frank Herbert nicht bei uns weg ;-)


Die Faszination des Dune Universums: Details und Realismus.

Wie der ‚Herr der Ringe‘ erlebte dieses Buch in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts einen steilen Aufstieg. Aber während es bei Tolkien um Mythen und Sagen geht (eben um Fantasy), ist Dune beinharte Science Fiction. Allerdings eine Art von Science Fiction, die sich weit ab von den üblichen Genre-Standards bewegt. Keine Raumschlachten, keine Action, kein Militarismus. Dafür aber Politik, Gesellschaft, Ökologie und Philosophie. Wie schafft es eine Story mit diesen staubtrockenen Themen zu so großer Popularität? Ist es der hohe Detailgrad mit dem Frank Herbert seine Welt und deren Bewohner schildert? Sind es die seltsamen Drogen oder die riesigen Sandwürmer? Die Exploratoren sagen: alles zusammen! Das Dune-Universum ist fremdartig und anders. Dune ist die wissenschaftliche Projektion der Renaissance in das Jahr 10.000.  Gerade heute im vernetzten, überhypten und abgehörten 21. Jahrhundert ist dieses Setting unglaublich faszinierend: Medien,  die wir heute als kriegsentscheidend wahrnehmen, sind im Dune Universum bedeutungslos. Keine Nachricht kann schneller von Planet zu Planet wandern, als die Schiffe der Navigatoren-Gilde. Computer sind illegal. Im Dune Universum zählen die Menschen, nicht das Bild, das von Ihnen verbreitet wird. Wir meinen: Nie zuvor und auch nie wieder danach hat ein Autor eine derart fremdartige und doch glaubwürdigere Welt erschaffen.

Und: Jede Menge sexuelle Symbolik.

Aber halt, man kann es natürlich auch anders sehen. Die Story zum Beispiel ist nicht gerade innovativ. Es geht um den Niedergang und die Rache des edlen Adelshauses Atreides. Der strahlende, junge (drogenabhängige)  Held Paul Atreides, flieht mit seiner (drogenabhängigen) Mutter nach einem hinterhältigen Angriff der feindlichen (drogenabhängigen) Harkonnen in die Wüste von Arrakis. Dort trifft er das (drogenabhängige) Volk der Fremen, die er in eine beinharte (drogenabhängige) Guerilla-Armee umbaut, mit deren Hilfe er gegen Ende schließlich seine (immer noch drogenabhängigen) Feinde besiegt. Fertig.

Plotwendungen und Überraschungen sucht man vergeblich. Tiefgründige Charaktere und geschliffene Dialoge? Fehlanzeige. Dafür könnte man – natürlich nur, wenn man böse sein möchte – eine Menge psychologischer Symbolik in das Werk hinein interpretieren. Da sind zum Beispiel die Fremen, die in der Wüste überleben, weil sie ihr eigenes Pipi trinken und auf langen Würmern reiten. Und natürlich ruft der Held Paul Atreides bei seiner Männlichkeitsprüfung einen gaaaanz, grossen Wurm. Er hat (zweifelfrei) den längsten. Und muss demnach Chef werden. Frauen können zwar auch recht gut kämpfen (auch ohne Wurm), wirken aber als hexenhafte, hintertriebene Bene-Gesserit-Schwestern wesentlich gefährlicher. Am schlimmsten trifft es die Homosexuellen. Der einzige Schwule im Buch, der Erzfeind Baron Vladimir Harkonnen, ist ein ekliger Widerling, der zur Strafe schließlich von dem kleinen Mädchen Alia, der Schwester des Helden, getötet wird. In der umstrittenen 80er Jahre Verfilmung treibt Meisterregisseur David Lynch die Homophobie mit der Todesszene des Barons dann sogar noch auf die Spitze: der hässliche Fettsack wird nach Alias Giftanschlag schreiend von einem Riesenwurm (=Penis) verschluckt. Wenn man sich diese Szene zwei bis dreimal angesehen hat, ahnt man, wieso der Psycho-Freak Lynch seinerzeit diesen Stoff verfilmen wollte – und so ein immenses Hollywood-Finanzdisaster auslöste. Der Film ist übrigens trotz aller Häme und Nörgelei von Dune-Puristen ein wirklich cooles, verstörendes Meisterwerk. Mit Würmern ;-)

Aber im Grunde sind die Exploratoren nur an fremden, exotischen Welten und nicht an psychologischen Interpretationen interessiert. Und deshalb müssen wir das Dune Universum einfach lieben.
Trotz seiner kleinen Schrullen.

Dune-Bluray-oder-Dune-DV-von-David-Lynch

*Die überlange Dune Verfilmung von David Lynch aus den 80ern hat jede Menge Drogen und Würmer, also alles was eine Dune Film so braucht. Hier als Dune Bluray Version bei Amazon…

Die Popkultur: Dune Film, Dune TV-Serie, Dune Games. Und jede Menge Bücher.

Der Dune Zyklus umfasst inzwischen *eine ganze Reihe von Bänden, teilweise von Frank Herbert selber verfasst, teilweise von anderen Autoren. Wirklich brillant ist (leider) nur der erste Roman. Auch wenn spätere Arbeiten immer wieder interessante Themen aufwerfen, so merkt man doch, dass die detailliert-akribische Erzählkunst von Herbert nachlässt. Nehmen wir es von der positiven Seite: Der Wüstenplanet kann als singuläres Buch genossen werden. Man muss sich als Leser nicht dem selben Diktat der Serie unterwerfen, dass sich der Autor und seine Erben auferlegt haben. BTW: Was die Qualität der Übersetzung angeht, bildet Dune eine löbliche Ausnahme. Die deutsche Version des Buches ist hervorragend. Natürlich hat ein Werk wie Dune auch in anderen Medien seine Spuren hinterlassen. Neben dem oben erwähnten Dune Film gab es eine ziemlich miese Dune TV Serie. Und es gab und gibt zahlreiche Bands, die sich mit Arrakis beschäftigt haben, hauptsächlich aus dem Metal-Genre. Von den Dune Spielen ist vor allem ‚Dune 2‘ von Westwood zu erwähnen (*später nochmal überarbeitet als DUNE 2000), dass als einer der Urväter der Echtzeitstrategie-Spiele gilt und der geistige Vorgänger der Command & Conquer-Reihe ist. Tiberium ist also in Wahrheit nix anderes als Spice. Und jeder, der Dune kennt und liebt weiß: Das Spice muss fließen!

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