Reaktorblocks Spielenotizen zu Guild Wars 2: Plants vs Zombies

 

Guild Wars 2.  Ein Leviathan. Der Mount Everest der MMOs. Riesig, schön, erhaben. Und jeder will drauf! Das Beste: einmal zahlen, dann spielen so viel man will. Die Erlösung für alle MMO/RPG Spieler! Oder?
Die planaren Exploratoren haben lange gewartet, um ihre Kritik zu GW2 loszuwerden. Das liegt einfach daran, dass man ein fettes Zeitbudget braucht, um ein Spiel dieser Größenordnung halbwegs (durch-)zu spielen und danach fair beurteilen zu können. Und… das wir uns mehrfach zwingen mussten, uns wieder einzuloggen! Also: warum macht das Spiel allen Spaß – nur uns nicht? Irgendwas muss es in Guild Wars 2 geben, dass auch wir – die Exploratoren – lieb haben können. Oder?


Guild Wars, wir wollen Dich lieben, hörst Du uns?

Keine Antwort. Unser Herz bleibt still. Das Spiel sowieso. Natürlich ist ein Rollenspiel mit diesem titanischen Umfang das Geld wert, dass man dafür an der Gamestop-Kasse bezahlt. Aber wie steht es mit der Zeit, die man danach opfern muss, um diesen Content-Berg zu besteigen? Wie lange fesseln diese wunderschönen Landschaften an den Schirm? Wann verliert das PvP den Thrill?
Bei uns ging das (leider) ziemlich schnell. Wir wollen es mit einem kurzen Satz zusammen fassen: das Spiel hat keine Seele. Das gilt als erstes mal für die Story, die es nicht ein einziges Mal schafft, uns vom Hocker zu reißen. Die Charaktere sind langweilig und eindimensional. Wendungen, Twists, griffige Dialoge? Gibt’s nicht.  Und leider ist auch das viel gerühmte WvW Spiel absolut frei von Überraschungen. Es gewinnt zwangläufig diejenige Seite, die den grössten Spieler-Mob (den ‚Zerg‘ ) zusammen trommeln kann. Die Wirksamkeit von Einzelaktionen geht gegen Null.

 

Kritik zu Guild Wars 2: die eigenen Charaketere strahlen während der 'Pausen-Animation' mehr Charme aus, als die gesamte Story.
Dieser Spieler-Charakter spult gerade seine ‚Pausen-Animation‘ ab, die anspringt, wenn man mehrere Minuten im Spiel untätig ist. Und er strahlt dabei mehr Charme aus als die komplette Hauptqueste von Guild Wars 2.

 

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Die sieht nämlich so aus: zwei umotivierte Typen (manchchmal auch ein unmotivierter Frosch) stehen sich gegenüber und sondern Plattitüden ab.

 

Was bleibt?  Eine immense, schöne Spielwelt, die man allein oder als Gruppe durchwandern kann. Aber spätestens wenn man die erste Zone abgearbeitet hat, stellt sich ein merkwürdiges Grinding-Gefühl ein. Irgendwie hat man alles schon mal gemacht. Hier noch eine Quest machen, da noch einen Berg rauf klettern und schnell noch die fünf Tages-Events erledigen. Langsam wurde uns die grausige Wahrheit klar: auch hinter den wunderhübschen Landschaften verbirgt sich nichts anderes als ein riesiges Formular, eine Excel-Tabelle, die Stück für Stück ausgefüllt und abgehakt werden will. Die Spielmechaniken sind dabei nicht das Problem. Die Art und Weise, mit der die Aufgaben erledigt werden, ist ziemlich abwechslungsreich. Woran es mangelt, ist (wieder, ach) die Story. Weder die Spielwelt, noch die Quest-Texte, noch die NPCs wecken irgend einen Funken Gefühl. Guild Wars 2 ist ein gigantischer Story-Zombie.

 

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In der Hauptquest geht es um den Feldzug eines gigantischen und klar, untoten, Drachen. Das (irgendwie) erzböse Reptil bleibt dabei die meiste Zeit unsichtbar im Hintergrund, während man selber einen stupiden Laufburschen-Job erledigen muss. Warum tun wir das? Für wen? Warum sind wir überhaupt hier? Die Untoten-Jagd bleibt so blutleer wie der gesamte Rest des Spieles. Wir empfehlen eine Runde Plants (Trahearne) vs. Zombies (Zhaitan). Macht mehr Spass und kostet auch keine Abo-Gebühr.

 

Wer soll das spielen?

Falls Sie Guild Wars 2 noch nicht gekauft haben, hier unser Ratschlag: wenn Sie schöne Landschaften mögen, wenn Sie auch im Urlaub die Routen streng anhand des Reiseführers planen und erledigen, wenn Sie an jedem Aussichtspunkt ein Foto machen, um sich und der Welt zu beweisen, dass Sie auch wirklich vor Ort waren… dann ist dieses Spiel für Sie. Wenn Ihnen MMO-Komfort wichtiger ist als Story und Glaubhaftigkeit, sollten Sie es mal ausprobieren. GW2 steckt randvoll mit nett gemeinten Features wie z.B. die gekoppelten, immer erreichbaren Auktionshäuser, das automatische Sammeln und Ordnen der Crafting-Zutaten, oder die titanischen Weihnachtspakete, die mitten in der Einöde dem Spieler an Heiligabend direkt vor die Füsse fallen. Sie wollen von ihrem Spiel verhätschelt werden? Mit Guild Wars liegen Sie genau richtig.
Raidleiter, Geschäftsführer und Organisations-Talente, die gerne ein Ballett-Ensemble oder einen 100 Mann Spieler-Schlachtzug dirigieren, können im WvW durchaus Spass haben. Allerdings bietet Planetside 2 für diese Fans des gut geplanten Vernichtungskrieges eine wesentlich anspruchsvollere Aufgabe mit mehr Tiefgang.
Charakter-Optimierer werden mit dem recht umfangreichen Skill-System ganz gut bedient. Aber auch hier gilt: es gibt Spiele wie z.B. The Secret World, die in diesem Bereich mehr auf Lager haben.

 

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Komfortfunktionen an jeder Ecke. Bei Guild Wars 2 muss man noch nicht mal an Heiligabend zu Hause bei der Familie sein. Die Geschenke fallen den Spielern direkt vor die Füsse. Bloss keine Anstrengung für die Kunden! Und bloss keine glaubhafte Spielwelt. Braucht doch keiner.

 

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Turmspringen gehört in jede mittelalterliche Fantasy-Welt. Wir können uns einfach keinen heldenhafteren Moment für unseren Charakter vorstellen, als der einsame Augenblick an der Kante des Brettes, kurz vor dem Absprung.

 

Wer lässt besser die Finger davon?

Spieler, die Wert auf eine interessante und glaubhafte Welt legen, machen einen grossen Bogen um dieses Spiel. Wenn Sie SWTOR oder TSW mochten, wenn Sie gerne Single-Player-RPGs spielen, verzichten Sie besser auf Guild Wars 2. Es sind nicht die fehlenden Gesichtsanimationen, es ist die fehlende Kreativität. Es ist der fehlende Wille zum Zauberhaften. Guild Wars 2 versucht, alle Spielergruppen gleichzeitig zu bedienen und macht dabei nichts wirklich richtig. Vor allem aber vergisst es dabei, uns in eine neue, fremde und aufregende Welt mit zu nehmen. Wir bekommen diese Welt gezeigt und sie sieht toll aus. Wirklich betreten können wir sie nicht.

 

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Guild Wars 2 ist ein Paradies für Landschaftsfotografen. Schade, dass nicht mehr dahinter steckt.

 

Tipps und Tricks für Anfänger zu Guild Wars 2

3 Monate haben die Exploratoren immerhin in GW2 zugebracht. Genug Zeit, um eine paar Weisheiten aufzuschreiben, die es Anfängern etwas erleichtern sollten:
  1. Sie müssen dieses Spiel nicht komplett durch spielen, um alles zu sehen. Betreten Sie so früh es geht, das WvW und sehen Sie sich die Mega-Schlachten aus nächster Nähe an. Klar, obwohl Sie hochgestuft werden, haben erfahrene Spieler das bessere Equip und einen ausgefeilteren Build. Da am Ende des Tages aber vor allem die Grösse des eigenen Zergs entscheidet, dürfen Sie sich jederzeit ohne schlechtes Gewissen in die Serverschlachten stürzen. Immerhin sammelt man dort auch echte XPs!
  2. Sie müssen dieses Spiel nicht komplett durch spielen, um alles zu sehen. Sobald Sie die nötige Stufe erreicht haben, machen Sie einen Ausflug in die örtlichen Dungeons. Wenn Ihnen eines der Verliese besonders gut gefällt, bleiben Sie dran! Guild Wars 2 vergibt Rüstungssets pro Dungeon. Um ein volles Set zu bekommen, müssen Sie also nur einen einzigen Dungeon abfarmen. Hin und her springen lohnt sich nicht. Und: die GW2 Dungeons sind nicht gerade Meisterwerke. Allzu viel verpassen Sie nicht.
  3. Sie müssen dieses Spiel nicht komplett durch spielen, um alles zu sehen. Die Aussengebiete sind die Schmuckstücke von Guild Wars. Leider gilt auch hier: kennst Du eines, kennst Du alle. Die Optik ist toll und abwechslungsreich, das Gameplay aber wiederholt sich recht schnell. Besonders die Anpassung des Schwierigkeitsgrades und der stark reglementierte, überbalancierte Loot führen dazu, dass die Gebiete austauschbar werden. Das Spiel belohnt die komplette Erkundung aller Karten mit einer dicken Trophäe. Wer sich die als Ziel setzt, braucht extrem dickes Sitzfleisch.
  4. Sie müssen dieses Spiel nicht komplett durch spielen, um alles zu sehen. Das gilt besonders für die Haupt-Story. Die wird zum Ende hin immer langweiliger. Wir empfehlen dringend: wenn’s Ihnen das erste Mal zu blöd wird, steigen Sie aus, denn es wird garantiert noch blöder.
  5. Wenn Sie die Wahl haben, zwischen einem Event und einer Queste, machen Sie das Event. Die dynamischen Ereignisse sind besser erzählt und bieten mehr Action. Beonders die Meta-Events, die am Ende einer längeren Kette von Aufgaben entstehen, sind sehenswert.
  6. Die Sprungrätsel sind eine interessante Abwechslung vom restlichen Gameplay und stellen eine echte Herausforderung dar. Wenn Sie also gerne auf Pfeilern und Säulen rum hopsen, entscheiden Sie sich bei der Rassenwahl am besten für einen kleinen Charakter, wie z.B. einen Asura. Der Grund: GW2 hat des öfteren mit extrem nervigen Clipping-Problemen zu kämpfen. Grosse Figuren stecken gerne mal mit dem Kopf (blind!) in einer Wand, in einem Vorsprung oder in der Höhlendecke fest. Und Supermario ist ja auch nicht gerade hoch gewachsen.
  7. Welche Rasse soll man bei Guild Wars 2 wählen? Gute Frage. Nur die Startgebiete unterscheiden sich. Spätestens nach dem ersten Drittel des Spieles läuft die Hauptstory nahezu linear und parallel für alle Rassen. Das interessanteste Startgebiet mit den coolsten Städten hatten für uns die Charr, dicht gefolgt von den Asura. Relativ ‚anders‘ erscheinen auf den ersten Blick auch die Sylvari. Auf den zweiten Blick entpuppen sie sich aber schnell als Elfen-Clone mit 100% nerviger Öko-Attitüde.


Ein Kommentar

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