Ein paar Gedanken zum Thema Meta Gaming

Nach zahlreichen Ausflügen in Solo-Spiele und F2Ps haben die Exploratoren (hoffentlich) eine etwas distanzierte Perspektive auf das MMO-Genre gewonnen. Und da wir nun wieder kopfüber in Star Wars: The Old Republic stecken, möchten wir mal einen Schritt zurück machen und fragen: was spielen wir da eigentlich? Wo liegt der wesentliche Unterschied zwischen einem MMO und einem RPG, das wir im Koop-Modus mit Freunden spielen? Warum fasziniert uns das Gefühl, gleichzeitig mit tausend Kollegen durch die virtuelle Welt zu rennen, wenn wir meistens doch nur mit denselben vier Leuten zusammen abhängen? Es sind die Metaspiele. Unter einem Metaspiel verstehen wir (die Exploratoren) einen Mechanismus, der nicht eindeutig bestimmten Elementen des Interface/GUI zugeordnet werden kann. Beispiel gefällig? Das Zuordnen von Skill-Punkten in einem Fertigkeiten-Baum ist eindeutig Teil des Spieles. Aber der Wettstreit, eine optimale Skillung für eine Klasse oder Rolle im MMO zu finden und über längere Zeiträume (und Patches) hinweg aufrecht zu halten ist ein Metaspiel. Metaspiele finden in Chats, Foren, Podcasts und Let’s play Videos statt. Und in tausend weiteren finsteren, staubigen Community-Löchern. Erst wenn man vom Rest der (kleinen) Welt als Autorität auf einem Gebiet akzeptiert wurde, hat man gewonnen. MMOs bieten auf Grund ihrer Komplexität eine extrem breite Plattform für die unterschiedlichsten Arten von Metaspielen. Der wichtigste Mechanismus dabei ist wahrscheinlich die Ökonomie. Einerseits würden nur wenige Leute den virtuellen Kontostand eines Charakters als echten Erfolgsmesser akzeptieren. Andererseits umgibt Spieler, die das Auktionshaus beherrschen, eine geradezu mystische Aura.

Was folgt daraus? Die Möglichkeiten für Metaspiele, die eine Freizeitbeschäftigung bietet, sind ein wichtiger Erfolgsfaktor. Vergleich wir zum Bespiel mal Schach und Poker. Das erste gilt als nerdiger und extrem anspruchsvoller Gehirnsport. Die Varianten und Regeln sind übersichtlich. Ligen, Titel und Turniere kommen einem vor wie in Zement gegossen. Und genauso steht es mit der Akzeptanz und Beliebtheit des Spieles. Poker hingegen hat in den letzten Jahren einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Liegt es daran, dass man hier echtes Geld gewinnen kann? Kaum, denn die absolut überwiegende Masse der Spieler muss sich mit eher kleinen Gewinnen zufrieden geben. Es ist die Vielfalt der Varianten und Metaspiele, die Poker interessant machen. Neben den reinen Spiel-Taktiken und -Strategien zählt vor allem die psychologische Einstellung so stark, dass sie sogar den Einzug in die Alltagssprache (Pokergesicht) gehalten hat. Das Ganze überträgt sich dann weiter auf Kleidung, Stil und generelles Verhalten am Spieltisch. Beim Onlinepoker findet sich das Äquivalent dazu in der Art zu Chatten und in der Wahl des Avatars. Die Möglichkeit reales Geld zu gewinnen, ist unserer Meinung nach nicht nur als Motivator wichtig, sondern vor allem weil es neben einer Ranglistenplatzierung eine Einordnung und Vergleichbarkeit der Spieler ermöglicht. Wir halten fest: Schach macht Spaß, wenn man gut in Schach ist. Poker macht Spaß, wenn man gut pokert, cool ist oder (nur mal so zum Beispiel) Interesse an Statistik hat. Gamedesigner haben diesen Faktor natürlich längst verinnerlicht. Mit dem Aufstieg der F2P-MMOs ist sogar noch ein weiteres (recht beliebtes) Metaspiel dazu gekommen: das Farmen der Bezahlpunkte, mit denen man sich neue Inhalte frei schalten kann. Fast wie Gold farmen. Oder Poker ;-)

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