Thor: zu viel Story.

Wieder eine Marvel-Verfilmung. Und wie es sich heutzutage gehört in 3D. Thor. In unserer Kindheit (vor gefühlt 100 Jahren) faszinierte uns der Hammer schwingende Donnergott von allen Marvel-Helden am meisten. Die Kreativität, mit der Stan Lee die nordischen Mythen in eine glitzernde Fantasy-Landschaft verwandelte, ist einfach unerreicht. Wird der Film von Shakespeare-Spezialist Kenneth Branagh diesem Anspruch gerecht? Die Exploratoren waren im Kino, um es heraus zu finden. Und um sich noch einmal wie ein Zwöfljähriger zu fühlen.

AB HIER GILT: ACHTUNG SPOILER!

Zuerst das Gute: natürlich sieht der Film Klasse aus. Marvel hat nach den Kassenschlagern Spiderman und Iron Man einen Ruf zu verlieren und macht keine Fehler. Insbesondere Thors Heimat Asgard sieht haargenau aus wie die goldschimmernden Traumwelten, die man aus den Comics kennt. Nur eben in 3D. Im Spiegel beschwerte sich der ansonsten stilsichere Andreas Borcholte zwar über den fehlenden Dreck in der nordischen Götterwelt, was aber nur zeigt, dass er in den 80ern beim Comic lesen eben oft gefehlt hat. Auch die Schauspieler machen ihre Sache ganz ordentlich. Über Nathalie Portman könnte man sich vielleicht etwas beschweren, letztendlich ist es aber ihre Rolle, die etwas nervt, weniger ihr Spiel. In Star Wars war sie mieser. Black Swan haben wir nicht gesehen (klar). Die Dialoge sind nett und treffen punktgenau. Hier führt immerhin ein Theater-Mann Regie. Ursprünglich hatten wir befürchtet, dass das Setting ‚Typen aus einer anderen Welt kommen nach Amerika und benehmen sich wie Deppen‘ so dünn ausgewalzt wird, bis es albern ist. Man kennt das aus anderen Filmen zur Genüge. Aber auch hier: keine Panik. Marvel und Kenneth Branagh haben das im Griff.

Was sie nicht im Griff haben, ist die Story. Vielleicht haben sie auch einfach (mal wieder) zu viel gewollt. Der Hulk-Effekt. Der Bösewicht (Loki) ist so vielschichtig und interessant, dass man ihn gar nicht richtig als böse wahr nimmt. Das ist nicht der einzige Grund, der verhindert, dass uns Thor mitnimmt (in unsere Kindheit, da wo wir hin wollen). Es passieren einfach zu viele Positionswechsel bei den Charakteren. Mal geht es gegen die Frostriesen, mal gegen einen fiesen Blechmann, mal gegen die Shield-Agenten, mal gegen den einzigen Typen mit Grips in der Birne: Loki. Dann sind die Frostriesen plötzlich die armen Opfer, dann werden die Shield Agenten zu Thors Kumpeln. Weniger wäre mehr gewesen. Was die Sache noch aberwitziger macht: das ganze Hin und Her kommt fast als Kammerspiel rüber. Viele Locations gibt es jedenfalls nicht. Klar, Asgard ist gross und toll. Aber unsere Welt besteht lediglich aus ein paar Hektar Wüste, mit Kleinstadt und provisorischem Geheimdienst-Zeltlager. Das wird dem universellen, mythischen Anspruch der Thor Comics nicht gerecht. Sorry.

Was den Film dann aber rettet, ist die Kamera. Immer wieder wird die Marvel-Tradition der schräg angeschnittenen Panels zitiert. Und wenn es kracht, hat man das Gefühl direkt auf eine 3D animierte Comic-Seite zu blicken. Die Bilder sind dynamisch und kraftstrotzend. Hier wird klar: in diesem Universum ist nichts und niemand stärker als der Gott des Donners. Fast wie damals, als man zwölf war.

Posterboy Chris Hemsworth macht aus Thor fast einen Frauenfilm. Naja. Fast.

Die Empfehlung der Exploratoren: ins Kino gehen, nicht zu viel erwarten, entspannt zurück lehnen und den Film wirken lassen. Für die DVD sind die Bilder eigentlich zu schade.

PS: schöne Grüsse an den Flensburger UCI-Vorführer. Schön, dass Du den Film umsonst sehen darfst. Die Kino-Gäste bezahlen Geld dafür. Dafür könntest Du es doch mal schaffen den Projektor scharf zu stellen, ok?

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