Tron: Legacy. Ganz wie der Papa.

Es gibt ein paar spirituelle Grundannahmen und unveränderliche, allgemeine Standpunkte in der weltweiten Nerdkultur, an denen nicht gerüttelt werden darf. Zum Beispeil: Star Trek Doppel-Folgen sind besser als Star Trek Kino-Filme, die Krieg der Sterne Prequels mussten gemacht werden und mussten zwangsweise in die Hose gehen, der 4. Indy Film war überflüssig und… es müsste endlich mal eine Tron Fortsetzung gedreht werden. An letzteres hat keiner mehr geglaubt. Immerhin hat der Film seinerzeit die Disney Studios an den Rand des Ruins gebracht. Tron war aber auch der Film, der die Tür zum computeranimierten Kino aufstiess und der erste Hollywood-Streifen, der sich mit virtuellen Welten beschäftigte. Und siehe, dass Wunder ist geschehen. Und die Exploratoren haben es im Kino gesehen.

Zuerstmal: Tron Legacy ist genauso wenig perfekt wie sein Vorgänger. Die meisten Charaktere bekommen kaum eine Chance zu schauspielern, weil Drehbuch und Dialoge das einfach nicht vorsehen. Jeff Bridges, der Oscar-Dude, bekommt etwas mehr Platz eingeräumt. Und klar, sein knautschiges Gesicht gepaart mit seiner kauzigen Vaterfigur tun dem Film auf jeden Fall gut. Das war’s dann aber auch. Schade ist zum Beispiel, dass Tron, der Titel-gebende Charakter komplett an den Rand der Handlung gedrängt wurde. Er bekommt noch nicht mal ein Gesicht. Was übrig bleibt, ist eine nett skurrile Handlung, die vor den bösen Gefahren entfesselter Computer-Technik warnt. Computer Ok, aber Gott spielen? Das ist natürlich ganz, ganz böse und muss auf jeden Fall bestraft werden. Wenn es also echtes, neues Leben im Computer geben soll, dann muss es durch ein Wunder entstehen. Auch hier bleiben sich die Disney-Studios treu, wenn sie, wie immer bei solchen Themen, um den heissen Brei herum filmen. Denn natürlich darf nur Gott Leben erschaffen. Aber Vorsicht die christlichen Fundamentalisten sind einflussreich und wachsam! Bevor sich also irgend ein Club der besorgten, frommen Hausfrauen darüber aufregt, dass der Allmächtige sich dazu herab lässt, in virtuellen Welten herum zu fummeln, sprechen wir lieber schön verschwurbelt von einem Wunder. Dadurch vergibt Tron die Chance, sich ein paar interessanten philosophischen Fragen zu stellen. Zum Beispiel: ist der Wunsch der Computerlebewesen auf Zutritt zu unsere Welt nicht vielleicht berechtigt? Aber lassen wir es gut sein, Hollywood liegt immer noch in Amerika und soll in erster Linie unterhalten.

Und das macht Tron wirklich gut. Der Film ist weder hektisch noch lahm. Und er wurde mit extrem viel Liebe gemacht. Hier merkt man, dass die Filmemacher durchaus wussten, wer die Hauptzielgruppe ist und wie man ihr Honig ums Maul schmiert (lecker!). Der Film strotzt vor filmischen Zitaten vom Zauberer von Oz, über 2001 bis zu (logisch) Matrix. Und er huldigt praktisch ununterbrochen den Lieblings-Klischees der Nerdkultur. Es gibt den überheblichen High-Tech-Konzern, samt debilem, technik-fremden CEO. Es gibt Action-Figuren in Kinder-Regalen, die aus dem eigenen Film stammen. Und natürlich gibt es Tonnen von lustig-bescheuertem Technik-Blah, wie bewusstlose Charaktere, die ‚rebooten‘ müssen, um wieder aufzuwachen. Soweit alles cool. Es gibt aber auch die Musik von Daft Punk. Erstens ist es ein absolut genialer Schachzug der Produzenten, genau diejenigen Musiker, die sich die letzten 15 Jahre sowohl musikalisch als auch thematisch ununterbrochen mit dem Thema Digitalisierung beschäftigt haben, in den Film zu holen. Die Jungs rannten ja praktisch während ihrer ganzen Karriere in albernen Tron-Kostümen rum. Und zweitens ist die Musik einfach gut. Und nicht von Hans Zimmer. Teilweise hat der Film-Ballett-Charakter. Tron, das Musikal? Wäre vielleicht gar keine schlechte Idee gewesen.

Was jedem klar sein sollte: Tron sieht natürlich fantastisch aus. Der 3D Effekt hält sich angenehm zurück und beschränkt sich darauf, dem Film Tiefe zu geben. Effekt-Hascherei, wie etwa in die Kamera geworfene Waffen, gibt’s praktisch gar nicht. Dafür hatten wir dann auch keine Kopfschmerzen am Ende ;-). Man darf sich auf jede Menge vollkommen cooler Fahrzeuge freuen, die in heftigen Verfolgungsjagden und Dogfights stilecht in Pixelwolken zerlegt werden. Was Optik und Ausstattung angeht ist der Film ein kleines Meisterwerk. Ganz wie der Papa ;-)

Und wer das Orginal noch nicht kennt, sollte sich was schämen. Und es über die Exploratoren bestellen…

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