Mass Effect 2: Exploration (Teil 2 der Exploratoren-Kritik)

Schauen wir uns also zuerst mal an, wie die Erforschung der Spielwelt so abläuft. Die schicke Galaxis-Karte mit ihren Nebeln, Sternenhaufen und Sternentoren lädt auf jeden Fall zum Erkunden ein. Aber ach, auf den meisten Planeten bleibt nichts weiter zu tun, als nach Rohstoffen zu forschen, mit denen man Ausrüstung und Schiff verbessern kann. Dieses MMO-artige Ressourcen-Farmen ist der absolute Tiefpunkt des Spieles. Vollkommen stupide scannt man man mit dem Mauszeiger die Planetenoberflächen ab, bis man eine Rohstoffquelle entdeckt hat. Dann Maus klicken, Metalle absaugen, fertig. Wenn man auf die vollkommen absurde Idee kommen sollte, alle Planeten auf diese Art zu untersuchen, verbringt man mehr Zeit mit dieser hirntoten Fummelei, als mit Schießen und Reden zusammen. Da die meisten Rohstoffe aber im Überfluss vorhanden sind, kann man sich diesen Gameplay-Autismus nach spätestens 10 Planeten sparen. Warum wurde dieser Mist um Himmels Willen eingebaut? Ganz schwere Spieler-Misshandlung.

Der Weltraum: unendliche Weiten.



Ok, ganz so unendlich sind die Weiten vielleicht doch nicht. Dafür gibt es aber unendliche Langeweile beim zweckfreien Ressourcen sammeln. Aua.

Was bleibt noch? Shepards Schiff, die Normandy, ist schick und angemessen gross. Bietet aber auch nichts wirklich Spektakuläres. Und die Raumstationen? Oh je. Selbst die guten alten 2D Baldurs Gate-Städte boten mehr Abwechslung und schickere Grafiken. Die wenigen Bewohner stehen festnagelt auf ihren Plätzen und füllen mit langweiligen Dialogen ihre sinnlose Existenz. Alles dreht sich um Shepard, seine Aufgaben, seine Siege. Nichts scheint im Mass Effect Universum ohne seinen Helden zu passieren. Man rennt von Questpunkt zu Questpunkt zu Questpunkt. Irgendwann wird einem klar, was hier faul ist: keine Handys! Wer hat im Mass Effect-Universum die Dinger verboten? Wer ist Schuld daran, dass wir die ganzen Kontakte und Auftraggeber nur mittels blöder Lauferei erreichen können? Die Mass-Effect Städte sind nichts weiter als blau leuchtende Wachsfigurenkabinette. Wir empfehlen den Bioware Designern eine Lehrstunde Assassins Creed. Es kann nur besser werden.

In einer Bar (!) laufen wir an einer Junggesellen-Party vorbei. Ist die Freizeit-Kultur des 25. Jahrhunderts wirklich so dröge? Oder ist Bioware vielleicht einfach nicht in der Lage, halbwegs glaubhafte Stadt-Szenen zu bauen?

Nett ist vielleicht noch das schön vertonte Lexikon, auf dass man jederzeit zugreifen kann. Seit dem ersten Teil hat unsere Faszination für diese Datenbank allerdings stark gelitten. Nett ist halt auch unser Hamster. Unser Urteil: Welten-Erforscher lassen besser die Finger von Mass Effect 2.

Immerhin, ein Easter-Egg. Eine süsse Hommage an Baldurs-Gate und an die skurillen Ideen des alten AD&D Rollenspiel-Universums.

Teil 1 der Kritik (Überblick)

Teil 2 der Kritik (Exploration)

Teil 3 der Kritik (Action)

Teil 4 der Kritik (Story)

Teil 5 der Kritik (Das Urteil)