Das hier ist nicht real!

Sondern ein Traum. Oder ein Film. Oder vielleicht auch ein Computerspiel. Egal, auf jeden Fall verändert es mit Absicht unsere Gedanken. Es pflanzt uns eine Idee ein und je einfacher und passender diese Idee ist, je stärker wird sie unser Handeln bestimmen. Das ist die Idee hinter Christopher Nolans Film ‚Inception‘. Und schwupps, da haben wir die Idee im Kopf. Wo sie auch bleiben wird. Selten wurde ein Film gedreht, der mit der soft power von Hollywood kritischer umging.

inception-poster

Die Botschaft ist schön verpackt. Es geht ja eigentlich nicht um Filme sondern um gemeinsam erlebte Träume. Diese sehen bei Nolan am Anfang aus wie moderne Escher-Bilder. Wow.  Am Ende leider nur noch wie (ziemlich coole) Actionfilme. Trotzdem ist der Film der beste Mind-Fuck, den man seit Jahren im Kino zu sehen bekam. Damit kehrt Nolan dorthin zurück, wo er nach ‚Prestige‘ stehen geblieben war. Der kommerzielle Batman Erfolg hatte ihn erstmal zum Geld verdienen gezwungen. Nun ist er wieder ganz bei sich selbst und gibt mit grossem Budget Gas. Mitten drin steht Leo Dicaprio, der eine Menge Gelegenheit bekommt, kaputt, müde und  trotzdem entschlossen auszusehen. Das komplexe und sehr action-lastige Drehbuch lässt leider kaum Raum für mehr. Das wäre auch der einzige Kritikpunkt der Exploratoren, die ihre Filme ja immer gerne konform zum Genre haben. Es bumste uns eine Spur zuviel und der unvermeidliche Hans Zimmer wummerte mit seinem Orchester dazu eine Spur zu laut. Aber das ist Kritik auf extrem hohen Niveau.

Der Film wagt eine Menge liebevoller Zitate, von 2001, über Star Trek (schwebendes Blut!) bis zu Bladerunner, und macht sich dadurch bewusst etwas kleiner als er ist. Ist es ein grosser Film? Auf jeden Fall ist das Drehbuch ein heisser Kandidat für den Oscar, denn es lässt den Zuschauer niemals den Überblick über die vielschichtige Handlung verlieren und bietet – wir erwähnten es bereits – trotzdem jede Menge massentauglicher Knallerei. Und wenn noch ein wenig mehr Platz für die Menschen darin gewesen wäre, um die es ja eigentlich geht, hätte es Inception zu einem Kino-Meilenstein gemacht. So bleibt der Film hinter der traurigen Poesie eines Bladerunners zurück. Und auch die visuelle Konsequenz eines 2001 vermeidet er leider zu Gunsten der Hollywood-Kompatibilität. Was bleibt, ist ein immer noch grandioser Gegenentwurf zu den Comic-haften Matrix-Filmen. Und geiles Entertainment – mit einem ernsten Ansatz zur Gesellschaftskritik.

Und wer es im Kino verpennt hat, kann sich natürlich fix über Amazon die DVD bestellen:

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