RoboGeisha (in der Provinz)

Freitag Nacht, 23.00 Uhr, ein kleine Stadt am nördlichen Rand der Republik. Im einzigen Kinoplex in Nuklearschlagreichweite läuft RoboGeisha von Noboru Iguchi. Natürlich müssen die planaren Exploratoren diese Chance nutzen, um ihren kulturellen Horizont nach Osten zu erweitern. Und Hey, als MitternachtsMovie ist der Film gratis. Lediglich 5 Euro Mindestverzehr fallen an. Also, Redbull rein ballern und auf ins Gefecht.

Poster: schöner Vorgeschmack auf den Film...

Wir wurden nicht enttäuscht. Jedenfalls nicht vom Film. GoboGeisha ist voll supi! Das Teil ist eine vollkommen irrwitzige Persiflage (durften wir dieses Wort überhaupt schonmal auf dieser Website verwenden?) auf die gesamte japanische Manga-Kultur. Der Trailer macht schon deutlich um was es geht:  eine sich ständig steigernde Freakshow, die aus sämtlichen Klischees besteht, die zum Kulleraugen-, Riesenroboter-, Schwertkampf-, Megatitten-Genre dazu gehören. Alles wird ständig hochgradig überzeichnet und sexuell aufgeladen. Bis es platzt. Und dann geht die Bilder-Disco wieder von vorne los. Also was gibt es zu sehen? Gesichter, die mit hoch erhitzter Höllenmilch verbrüht werden. Schwertklingen, die aus so ziemlich allen Körperöffnungen hervor schiessen. Ein tödlicher Fangschuss in die Analregion mit dazu gehöriger Strahlblutung. Busenmaschinengewehre.

Das Interessante daran ist, dass der Film tatsächlich über eine Handlung verfügt, die das Ganze zusammen hält.  Langeweile kommt nicht auf. Erstens, weil der Film vor absurden Situationen einfach sprüht. Zweitens, weil die Dialoge zwar genretypisch bescheuert & verschwurbelt sind (‚Du musst an deine innere Stärke glauben, Yoshi, blah, blah, blah…‚), aber trotzdem immer wieder lustiger Wortwitz dazwischen gestreut wird. Und das sogar in der deutschen Synchro.  Die Schauspieler benehmen sich – wie es sich gehört – wie eine Horde Knallchargen. Auch hier wäre alles andere falsch gewesen. Kameratechnisch ist RoboGeisha zwar ein Undergroundfilm, was aber keinesfalls heisst, dass er zusammen gestümpert wurde. Der Look der Einrichtungen und Effekte ist aber naturgemäss vollkommen unterirdisch und albern. Das Schönste was wir vielleicht über den Streifen sagen können, ist, dass er uns (wehmütig) an Russ Meyer erinnert hat.

Für Leute mit Sinn für’s Skurrile ist der Film ein Muss. Manga/Anime-Fetischisten dürfen auch zuschlagen, wenn sie kritikfähig sind. Gibt es etwas Trauriges zu berichten von unserem Nachtausflug? Leider ja. Die DVD-Projektion und der lausige Ton haben uns weniger gestört. Aber offensichtlich ist der gute Geschmack immer noch nicht in der Provinz angekommen. Das Kino wurde nämlich beherrscht von einer dämlich johlenden Horde Twens, die einfach nicht verstanden, um was es eigentlich ging. Jede nicht Hollwood-kompatible Einstellungen wurde mit lautstarken Kommentaren und abfälligem Gegrunze bedacht (Ey Mann, der schlechteste Film aller Zeiten! Wer von euch hatte die Scheiss-Idee, in diesen Film zu gehen, usw, usw). Die Mühe, das Kino einfach zu verlassen, machten sich die Gehirnraupen leider nicht. Schade, dass preiswerte Vorstellungen auch diese Art Publikum anziehen. Und der IQ steht ja leider noch nicht kontrollfähig im Perso.

Falls jemand Lust auf den Film bekommen hat, hier der Kauflink für Amazon.

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