Greg Zeschuk von Bioware (und die planaren Exploratoren) über Gewalt in Spielen

Wir lieben Bioware.  Als einige der wenigen Gaming-Firmen bemühen sie sich seit ihrem Erstling, dem legendären ‚Baldurs Gate‘, um die Entwicklung und Integration von Story und Charakter in ihre Spiele. Nun hat Greg Zeschuk, Mitbegründer der Firma, just ein erstaunliches Statement abgelassen: Gewalt wird in Zukunft als Verkaufsargument unwichtiger werden. An sich eine interessante Aussage. Insbesondere im Angesicht des doch sehr martialischen Bioware Tites Dragon Age Origins, der kurz vor dem Verkauf steht, klingt dieser Satz  wie eine marketing-technisch wohl berechnete Aufforderung an die Blogger, sich näher mit dem Thema zu beschäftigen. Als arrogante Schnösel könnten wir da jetzt einfach drüber hinweg sehen. Da wir aber (wie gesagt) Bioware wirklich lieben UND keinem Diskurs aus dem Weg gehen, kommt hier die Antwort. Achtung, wenn Sie weiter lesen, betreten sie ideologisch vermientes Gebiet.

Frauen lieben moderne, gewaltfreie Männer.

Blicken wir zu Beginn mal auf ein anderes, älteres Medium. Grundsätzlich hat die Darstellung von Gewalt im öffentlichen-populären Kino eine lange Tradition. Seit es Kino gibt, werden Konflikte mit Gewalt gelöst. Am Ende piekst Robin Hood dem Sherif von Nottingham ein Schwert in den Bauch. Wie sehr dabei das Blut spritzt, ist eine Frage des Zeitgeistes. Erst in den 80ern wurde die Darstellung von zynischer Gewalt cool und kam im Mainstream an:

Sharon zu Arnold: Schatz, wir sind verheiratet, ich liebe Dich!

Arnold zu Sharon:  (Peng, Kopfschuss) …das ist die Scheidung.

Total Recall/1990

Vorher blieb Gewalt im Hinterhof-Genre Kino (Zombie-Filme etc…). Klar, selbst ein Film wie ‚Der Pate‘ wurde für seine Gewaltszenen kritisiert – die waren aber damals kein lustiger Selbstzweck sondern gehörten logisch zur Story. Seit die Tarantino-Typen in Hollywood hofiert werden, hat es die Gewalt als autarker Inhalt UND Verkaufsargument sogar ins chique Autorenkino geschafft. Und wir müssen sagen: es reicht. Es langweilt. Um es mit den Worten von Imoen aus Baldurs Gate zu sagen: Boooring!

Eigentlich läuft im Kino zur Zeit mehr Gewalt als in Spielen. Wirklich. Die explizite Darstellung von Gewalt in aktuellen Spielen ist tatsächlich nicht so erfolgreich und verbreitet, wie zu den Hochzeiten der Blut-Ego-Orgien (Quake, Doom, Unreal, Wolfenstein). Die Erfolgsgames von heute (Sims, WOW, Wii-Sports, Guitar Hero…) sind ziemlich blutfrei. GTA4 ist da die traurige (aber auch qualitativ gute) Ausnahme, weil hier Gewalt zynisch, aber auch satirisch in die Handlung integriert wird.

Ich denke, die viel kritisierten Multiplayer-Action-Titel wie Call Of Duty oder Counter Strike kann man hier getrost aussen vor lassen. Jeder der die Spiele schonmal gesehen oder gespielt hat, weiss das es hier vor allem um Taktik, Reaktion und Nervenkitzel geht, der durch das Spiel gegen intelligente, menschliche Gegner entsteht – nicht durch die explizite Darstellung von Gewalt. Das Töten in Counter Strike ist nicht brutaler oder expliziter als die Pistolen-Duelle in den grossen Western der 60er Jahre. Und niemand käme auf die Idee ‚Rio Bravo‘ zu verbieten, oder?

Aber was ist nun mit Gregs Satz? Werden wir weniger Gewalt in Games sehen? Ziemlich wahrscheinlich: ja. Der Trend geht – wie gesagt – hin zu familientauglichen Spielen. Diese Casual- Zielgruppe ist immer noch neu und relativ interessant für die Spiele-Industrie. Der (blutige) Kampf um die Marktanteile bei den beinharten Core-Gamern ist viel schwieriger geworden. Nächster Grund: die Gaming-Technik, die für die grafische Darstellung von spritzendem Blut und physikalisch korrekt fliegenden Gliedmassen entwicklet wurde, ist ausgereizt. Der Trend geht zu neuen Bedien-Techniken, die kaum für die explizite Darstellung von Gewalt geeignet sind. Naja, vielleicht kann man mit Projekt Natal seine Gegner eigenhändig erwürgen. Mal sehen, ob das jemand kauft.

Und nun unsere ganz persönliche Meinung: Gewalt als treibender Inhalt nutzt sich mittelfristig gesehen schneller ab als z.B. Gier nach virtuellem Besitz oder sozialer Anerkennung  (WOW, Sims). Hin und wieder mal die Sau raus lassen ist Ok. Aber eine Baller-Orgie nach der anderen nervt doch irgendwann. Wer soll das aushalten? Ich war auch froh, dass die Studios Tarantino gezwungen haben ‚ Kill Bill‘ in zwei Teile zu zersägen. Hätte ich den (chiquen) Schund am Stück gesehen, wär ich wohl nach 2 Stunden aus dem Kino gekrochen.

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