Wieso hat da eigentlich noch keiner ein Rollenspiel draus gemacht…

…dieser Gedanke kommt einem Gamer so manches Mal, wenn man ein Buch zuklappt oder aus dem Kino stolpert. Nun kommt hoffentlich niemand auf die Idee, aus ‚Krieg und Frieden‘ ein MMO zu machen, aber es gibt einfach bestimmte Arten von Trivial-Literatur, die den ‚Keim‘ zum Rollenspiel schon in sich tragen. Eines dieser Bücher ist die ‚Wächter‘-Trilogie des Russen Sergej Lukianenko.  Zwei der Bände haben es bereits recht spektakulär ins Kino geschafft: ‚Wächter der Nacht‘ und ‚Wächter des Tages‘ wurden vom kasachischen Regie-Shootingstar Timur Bekmambetov (‚Wanted‘) verfilmt. Die Filme räumten insbesondere in Russland heftig an den Kassen ab.

Sowohl Filme als auch Bücher haben einen erfrischend anderes Feeling als die handelsübliche deutsche, englische oder amerikanische Fantasy/SF Ware. Besonders deutlich wird das im Kino, wenn man plötzlich ausschliesslich russische Schauspieler sieht. Wo bleibt Brad Pitt? Wo ist George Clooney? Das Fehlen des Hollwood 08/15 Looks ist ungewohnt, macht die Filme aber sehr glaubhaft und eben…anders. Man sollte sich die DVDs übrigens besser erst ansehen, nachdem man die Bücher bereits gelesen hat, denn die Story wurde stark abgewandelt und ans Medium angepasst, so dass kaum Spoiler auftauchen. Da aber die psdeuo-reale der Wächter Trilogie reichlich komplex ist, hilft die Lektüre sehr, den Einstieg in die Filme zu finden. Ausserdem lohnt es sich, beide Filme direkt nacheinander zu sehen, da die Story eng verwoben ist und sich nach dem zweiten Film elegant schliesst.

Warum ist die Wächter Trilogie ein exzellenter Stoff für ein Rollenspiel?

Einer der Hauptgründe ist, das Lukianenko selber zumindest ein Teilzeit-Gamer ist. Konsolen- und PC-Spiele finden immer wieder den Weg in seine Geschichte. Im ersten Teil des Filmes benutzt der Widersacher, der hinterliste Zauberer Sebulon, sogar eine PS2 um den Showdown des Films im Vorfeld zu trainieren, damit er als ‚Endgegner‘ auch gut in Form ist. Das kann man cool oder aberwitzig finden, neu ist es auf jeden Fall. Und es zeigt, wie ungezwungen der Autor mit dem Thema umgehen kann.

Vor allem aber weist die gesamte Welt der Wächter-Romane Rollenspiel-artige Merkmale auf. So ziemlich alle bekannten Motive der klassischen und modernen Gruselliteratur tauchen auf: Zauberer, Hexen, Vampire, alle möglichen Gestaltwandler, Parallel-Dimensionen und natürliche magische Artefakte (Items!!!). Alles kommt in verschiedenen Kraftstufen vor. Die Magier teilen sich sogar in Ränge ein. Anton, der Protagonist, beginnt als lausige Nummer Vier und grindet sich schliesslich bis zum Ende des dritten Bandes bis zur ersten Stufe empor. Man hat stellenweise das Gefühl , dass  Lukianenko die Handlung einer Pen & Paper Kampagne (Vampire?) entnommen hat. Macht aber nix. Es ist trotzdem sehr nett zu lesen.

Und warum hat noch niemand ein Spiel draus gemacht? Möglicherweise will Herr Lukianenko zuviel Geld? Oder das Filmstudio hat die Gaming-Rechte mitgekauft und sitzt drauf wie die Henne auf den Eiern? Oder vielleicht ist die Story den Spiele-Konzernen nicht ‚westlich‘ genug. Risiken geht man dort ja nicht gerne ein. Persönlich würde ich einem ‚Wächter‘-MMO aber weitaus höhere Chancen einräumen, als  z.B. dem Spionage-Game ‚The Agency‘ von Sony.  Und so klein soll der russische Markt ja auch nicht mehr sein. WOW läuft da jedenfalls schon…

Wer nicht auf das MMO warten will, kann sich natürlich jederzeit die Bücher und die DVDs gönnen.

PS: wer jetzt eine Inhaltsangabe sucht, schaut einfach bei Amazon rein. Da habe ich jetzt keinen Nerv drauf.

 

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