Ankündigen, Aufblasen, Abschalten

 

Inzwischen hat die News in der MMO-Szene die Runde gemacht: Tabula Rasa, das letzte Spieleprojekt von RPG Legende und Freizeit-Astronaut Richard Garriott ist tot. Der koreanische Publisher NC-Soft, der das Spiel finanziert hatte, hat die Reissleine gezogen. Die Tabula Rasa Server werden irgendwann im Februar 09 dicht gemacht. Konsequenterweise hat Garriott (a.k.a. General British, a.a.k.a. Lord British) seinen Rückzug aus der Spielewelt angekündigt. O-Ton Garriot: sein Trip in den Weltraum hat neue Interessen in ihm geweckt.  So weit, so esotherisch. Hoffen wir, dass er bei der Suche nach kleinen, grünen Männchen (oder was auch immer er vorhat) mehr Erfolg hat als mit Tabula Rasa. Ist ja auch irgendwie verständlich. Richard Garriott schaffte es mehrere Male auf den Olymp der Gamedesigner. Sein letzter grosser Titel ‚Ultima Online‘ legte den Grundstein für eine Mega-Millionen-Dollar-Branche. Da macht es natürlich keinen Spass, an zu engen Budgets oder der koreanischen Interpretation des Wortes Deadline  zu scheitern.

Wahrscheinlich hätte Tabula Rasa besser abgeschnitten, wenn es drei, oder besser noch sechs Monate länger in der Entwicklung geblieben wäre. Der Qualität des Spieles beim Release war jedenfalls eine Schande und hat mit Sicherheit eine Menge Leute derbe abgeschreckt. Die Qualität des Spieles zum jetzigen Zeitpunkt aber ist beeindruckend. Und es ist wiederum eine Schande, dass Tabula Rasa nun einfach dicht gemacht wird. Im Angesicht von zahllosen Free-To-Play MMOs wie Anarchy Online oder Guildwars fragt man sich, ob es für NC-Soft nicht eine bessere Alternative gegeben hätte. So wie es jetzt aussieht, versuchen die Koreaner lediglich die verbliebene Energie der TR-Communty für das Marketing ihres neuen AAA Titels ‚Aion‘ zu nutzen, bevor sie im Februar das Licht endgültig ausknipsen. Und was bleibt den Spielern?

Die Erinnerung an ein einmaliges, wunderbares und unwiederbringliches Experiment, bei dem Kreativität gegen Marktmacht antrat und grandios scheiterte.

Die Bewunderung für ein engagiertes Programmierer-Team, das auch noch in den letzten Tagen des Spiels unbeirrt grossartigen Content veröffentlicht.

Und es bleibt natürlich die Erkenntnis des gebrannten Kindes: von Titeln des Publishers NC-Soft hat man in Zukunft die Finger zu lassen. Genauso wie sie jetzt Tabula Rasa einfach liquidiert haben, hatten sie seinerzeit das MMO Auto Assault sterben lassen. Für NC-Soft heisst AAA offenbar: Ankündigen, Aufblasen, Abschalten.

 

Tabula Rasa Spieler vor der grossen Leere...

Die Tabula Rasa Spieler stehen nun vor der grossen Leere…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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